Unter dem Titel “L’aile ou la cuisse” erschien 1976 ein grandioser Film mit Louis de Funès in der Rolle des Restaurantkritikers Charles Duchemin, der die kriminellen Machenschaften der Lebensmittelindustrie aufdeckt. Geradezu fantastisch mutet der Besuch in der Fabrik des Fastfood-Papstes Tricatel an, anlässlich dessen Duchemin die Entdeckung machen muss, dass Tricatel mit Hilfe von Farbe gepressten Kunstprodukten wenigstens das Aussehen echter Naturprodukte verpasst.
Manchmal freut man sich, wenn aus Filmfiktion Realität wird. Dieses Mal aber kaum. Die Verbraucherzentrale in Hamburg hat sich der sogenannten Lebensmittelimitate angenommen und eine Liste veröffentlicht, die es in sich hat, mit Sicherheit aber nur die Spitze des Eisbergs darstellt.
Früher war es immer ein Problem, mit knurrendem Magen einkaufen zu gehen, spätestens an der Kasse holte einen die Realität wieder ein. Heute genügt es, die Liste der Inhaltsstoffe zu lesen, um den Appetit (und Kaufanreiz) zu verlieren. Rein rechtlich ist wohl wenig gegen die Hersteller solcher Lebensmittelimitate zu unternehmen; regelmäßig genügen sie den Kennzeichnungspflichten, kulinarische Verbrechen sind leider straffrei. Vielleicht sollte man sich eher an die Supermärkte halten, die die Platzierung der Produkte in der Hand haben.